Samstag, 14. Mai 2016

Tamino ~ Ufergedanken

„Ein Versprechen kann ein Versprechen bleiben, selbst wenn wir es korrigieren.“
Nach diesen Worten hatte Emma den Brief beiseite gelegt. 

Noch war der Brief nicht vollendet. Durfte sie es bei diesen letzten Worten belassen?

Der See zog ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. Emma gab sich dem Moment ganz und gar hin.
Die Sonne tanzte auf den Wellen und sprenkelte Glitzerfunken auf das Wasser. In den Bäumen spielte der Wind, er neckte mal sanft, dann wieder fordern und die Blütenblätter schwebten zu seiner Melodie. Harmonisch bewegten sich die weißen, an Schneeflocken erinnernden Blüten in der Luft.
Ihren Platz unter der Kastanie würde Emma heute nur für einen kleinen Imbiss verlassen, beschloss sie bei diesem schönen Schauspiel.
Am Ufer gaben die Frösche noch immer ihr Konzert. Drosseln suchten nach Futter für ihre Jungen und Meisen zwitscherten in den Birken, deren Maigrüne „Zöpfe“ mit den Zweigen der Trauerweiden im Einklang um die Gunst des Windes wehten.
Dem fiel die Entscheidung nicht schwer. Er puste mal hier, mal dort in die Kronen der Bäume. Lies die weit in die Landschaft leuchtenden Kerzen der Kastanien sanft hin und her schaukeln und trieb selbst im noch trockenen Schilf seinen Schabernack. Rauschend wie Wasserfälle, bewegten sich die Blätter unter seiner Kunst.

Zwei Schwäne zogen majestätisch über den See. Ihr Flügelschwingen war überwältigend und zeigte ihre elegante Größe. Lange blickte Emma ihnen nach.
Nichts lärmendes störte diese Idylle.

Auf dem See tauchten zwei Kanuten ihre Paddel lautlos ins Wasser. Bunt schillernd fielen die Tropfen beim herausgleiten zurück auf die Oberfläche und holten Emma zurück ins jetzt. Zeit etwas zu essen und so ging sie ins Haus und bereite sich einige Sandwichs zu, die sie zusammen mit einem kühlen Getränk, mit an den See nehmen konnte.

Mit geschickten flinken Händen deckte Emma den Tisch. Auch wenn sie allein war, wollte sie es sich schön machen. Währenddessen kehrten ihre Gedanken an Tamino zurück, aber auch ein Hauch von Sehnsucht nahm mit am Tisch platz. „Ist es an der Zeit, ihn von seinem Versprechen loszusprechen?“ So lange schon hatte er sich nicht mehr gemeldet, doch was ist schon lange? Wie viel Zeit musste vergehen? Vielleicht hatte er sie schon längst vergessen? Doch Emma fühlte sich ihm noch immer so nah.
Als wolle sie sich die Gedanken an ihn wegwischen, fuhr sie mit der Hand über ihre Stirn, schob die vorwitzige rote Haarsträhne, die ihr der Wind ins Gesicht geschoben hatte, beiseite und begann zu essen.
Jetzt und hier! Dabei sollte es erst einmal bleiben. Nicht an ihn denken.
Doch es zeigte sich immer wieder wie sehr alles miteinander verbunden war. Gedanken sich vervielfältigten, verzweigten und nicht nur auf einen Menschen zutrafen. Auf der einen Seite Tamino, dann da Bibi, lieb gewordene Freundin, die sie vor einigen Jahren im Internet treffen durfte.
Austausch von allem war mit ihr möglich. Sich zurückziehen, aber auch alles miteinander schreiben, was bewegt und bedrückt.
Dankbare Augenblicke. Keine Selbstverständlichkeiten. Freundschaft. Wie gerne hätte Emma jetzt hier mit ihr gemeinsam gesessen. Worte ausgetauscht und auch zusammen geschwiegen.
Irgendwann würde die Entfernung keine Rolle mehr spielen.

„Ein Versprechen kann ein Versprechen bleiben, selbst wenn wir es korrigieren.“
Emma hatte sich entschlossen. Dies sollte der letzte Satz dieses Briefes bleiben.
Die Gedanken ließen sich später einmal weiterdenken, gemeinsam.
Ein kleiner Bericht, über das Erlebte würde sich in den nächsten Tagen noch an die Zeilen anschließen. Ein paar Postkarten dazu und getrocknete Blüten. So war Bibi wenigstens beim lesen und anschauen ein Stück dabei.  

Kommentare:

  1. Mein liebes schönes Rosenrot *seufz* Gedanken zum Mitnehmen und Nachdenken. Voller Größe, Stärke aber auch Sehnsucht und Hilflosigkeit. Doch immer ruht Emma in sich und verbindet ihre Freundschaft zu Tamino mit grenzenloser Liebe und einem übermenschlichen Verstehen. Sie mag ihn wirklich sehr und deine Bilder, die du dazu malst, beeindrucken mich über alle Maßen. So ein Häuschen hätte ich auch gerne ….. glg auch an Bibi ♥

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  2. Emma zweifelt auch
    und sie hadert manchmal :)

    Schneeweiß
    Du machst mich sprachlos

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  3. glg zurück und weißt du - auch Ausnahmen gibt es schon mal doppelt *zwinker*

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